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Marlise Kunkel

Marlise Kunkel
Kalligrafie

Mit Kalligrafie versuche ich, den StudentInnen meine eigene Begeisterung für
Schriftästhetik nahe zu bringen und sie zu eigenem, schöpferischen Gebrauch
von Schriften anzuregen.
Schönschreiben mit Feder und Tinte (oder anderen Schreibwerkzeugen) ist ein
Handwerk. Es ist sinnlich – Sehen, Fühlen, Riechen, Tasten, Tanzen. Das Schreiben
von Hand ist die Begegnung mit Ästhetik, Harmonie, Ausgewogenheit und
Perfektion gepaart mit innerer, geistiger Konzentration. Das Schreiberlebnis lässt
die StudentInnen erfahren, an welcher Stelle sie selbst gerade mit diesen
Begriffen stehen und wohin Sie damit wollen.
Kalligrafie bringt in Berührung mit sich selbst – und mit den ältesten Kulturen
und Epochen der Menschheit. Kalligrafieren ist eine stille, manche sagen,
meditative Arbeit. Kalligrafie erfordert Ruhe, Konzentration und Ausdauer.
Kalligrafie transportiert Schönheit, Intimität, Poesie und emotionale Kraft;
sie besitzt eine Aura, welche über die Worte des Geschriebenen oder maschinell
erstellte Schreiberzeugnisse hinausragen.
Im Zeitraum des ersten Semester sind als Lernziele der Gestaltaufbau der
abendländischen Stilschriften anhand von Blockschrift, Serifenlose Linear-
Antiqua, Deutsche Kurrentschrift, Unzialis, Karolingische Minuskel, Textura,
Antiqua und Spanische Kursivschrift angesetzt.
Auf von den Studenten vorlinierten Büttenpapierblättern in einem definierten
Satzspiegel wird mit Tinte und Feder das handwerklich-technische Können von
Einzelbuchstabenform, Buchstaben- und Textverbund, Duktus eines geschriebenen
Textes, Schriftkomposition und Schriftausdruck eingeübt. Alle mit dem
Schreiben auftauchenden Themen zur Technik des Materials und des Werkzeugs
werden erfahren.
Ich gebe alle über die Technik des Schreibens hinausgehende Informationen,
Anregungen, praktische Anwendungsbezüge und Expertenwissen aus meiner
24-jährigen Arbeitspraxis als Freelancer und Selbstständige weiter.
Durch das Kalligrafieren eignen sich die StudentInnen ein tragfähiges
Fundament und bleibendes Gespür für Ästhetik und Kunstfertigkeit angewandter
Typografie an. Später – bei der Gestaltungsarbeit am Computer – tragen diese
kalligrafischen Erfahrungen reife Früchte.
Vom Handwerk – zum Spiel – zur Magie!