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Generationswechsel
an der Akademie U5

 

Generationswechsel Als private Berufsfachschule für Kommunikations-Design hat sich die Akademie U5 einen Namen gemacht. Nach 47 Jahren legen die Gründer die Leitung des Ausbildungsinstituts in jüngere Hände.

Als private Berufsfachschule für Kommunikations-Design hat sich die Akademie U5 einen Namen gemacht. Nach 47 Jahren legen die Gründer die Leitung des Ausbildungsinstituts in jüngere Hände. Mit dem Jahreswechsel vollzieht die Münchner Gestalter-Akademie U5 einen Generationswechsel. Gründer und Präsident Maximilian Condula legt die Leitung der Schule in die Hände von Hans-Peter Albrecht. Der bekannte Kreative, engagiertes ADC-Mitglied und seit Kurzem Vorstandssprecher des Comm-Club, wird Direktor der U5. Christian Lürzer, CEO von Lürzer’s Archive, steigt ebenfalls in die Grafiker-Talentschmiede ein. Die U5 gilt seit über 40 Jahren als eine der besten deutschen Ausbildungsstätten für junge Gestalter. Ihre Absolventen zählen zu den am meisten ausgezeichneten Kreativen hierzulande und arbeiten nicht nur als Grafiker, sondern längst als CDs oder Geschäftsführer in Schlüsselpositionen der deutschen Agenturen. Oder auch in Brasilien wie der bekannte Kreative Marcello Serpa. Jüngster Erfolg von U5lern ist etwa der zweite Design- Grand-Prix in Cannes – in Folge. Mit der Stabübergabe will Maximilian Condula „seine“ Akademie fit für die Zukunft machen. „Mit HP haben wir den idealen Mann gefunden, der die U5 nicht nur weiterführen, sondern weiterentwickeln wird“, so Condula, „HP ist – durchaus im positiven Sinn – ein Werbeverrückter, der es wunderbar versteht, unsere StudentInnen für die Sache, für die bessere Gestaltung, für die bessere Idee zu begeistern. Er ist erstklassig vernetzt und unabhängig – ich freue mich außerordentlich, dass HP mein beziehungsweise unser ,Baby‘ übernimmt.“ Die personelle Aufrüstung der U5 ist durchaus auch als Kampfansage zu sehen. Denn die U5 steht als Ausbildungsstätte längt nicht mehr allein. Neben einer ganzen Reihe privater Schulen bieten zahlreiche staatliche Fachhochschulen und Universitäten inzwischen ebenfalls Studiengänge für Gestalter an – mit Master- bzw Bachelor-Abschluss. H.P. Albrecht nimmt den Wettbewerb gerne an. „Es ist doch heute schon so – dank der praxisnahen Ausbildung in der U5 gilt – studierst du in einer Fachhochschule, kriegst Du einen Master, studierst Du an der U5, kriegst du einen Job.“ Tatsächlich werden U5-AkademikerInnen vom Fleck weg engagiert. Denn die Diplomarbeiten werden von einer Jury aus CDs, Gfs und Personalern beurteilt, die ihren Favoriten nicht nur gute Noten geben, sondern gleich einen Job anbieten. In dieser Jury findet sich halbjährlich die Creme de la Creme der deutschen Agenturlandschaft wieder. DDB, JvM, S&F, Kolle Rebbe, Gabartz, Serviceplan – bis zu 50 Scouts versammeln sich da in der Münchner Einsteinstraße. „Die solide Grundausbildung der U5 steht außer Frage. Ich möchte den StudentInnen aber zusätzlich etwas mitgeben, was auf keinem Lehrplan steht: Begeisterung, Feuer. Leidenschaft und Leidensfähigkeit für gute Ideen. Stolz, aber auch Demut. Soft Skills, die aus einem begabten Kreativen einen unschlagbaren Kreativen machen“, so HP Albrecht (siehe Interview). Der Österreicher engagiert sich seit Jahren für den Nachwuchs im Rahmen von ADC-Seminaren, RMS-Workshops oder als Gastdozent – etwa an der U5. Er wird aber weiterhin auch für die Kunden seiner Agentur hpalbrecht aktiv bleiben. Albrecht bringt einen spannenden Partner mit an den Start. Christian Lürzer, schon von den Genen her feinstes Kreativ- Geblüt. Lürzer, gelernter beziehungsweise geborener Texter, leitet heute als CEO das weltweit einzigartige Ad-Magazin Lürzer’s Archive. „Wir sehen Lürzer’s Archive ja als ,Creative Tool‘. Als Sammlung von Vorbildern und Seismograph für kreative Entwicklungen“, so Lürzer, „die Herausforderung, die U5 weiterzuentwickeln, ist für mich persönlich eine exzellente Ergänzung. Hier die geschliffenen Preziosen der Branche, da die Rohdiamanten. Talente sind eminent wichtig für die Branche. Je besser sie ausgebildet sind, desto besser. Aber wie heißt es so schön: Man lernt nie aus. Selbstverständlich können wir da, etwa für ein wichtiges Fach wie ,History‘, auf das Archiv zurückgreifen.“ Mit seinem Engagement in und an der U5 setzt Christian Lürzer so etwas wie eine Familientradition fort. Sein Vater Walter Lürzer leitete an der Wiener „Angewandten“ die inzwischen legendäre „Lürzer“-Klasse für Gestalter. Maximilian Condula und sein Partner Wolfgang Baum bleiben zunächst weiter an Bord der U5. „Natürlich eröffnet uns der Einstieg von HP und Christian auch ein Exit-Szenario“, so Condula, „aber bei der frischen Energie, die die beiden in unsere Akademie bringen, da freut man sich viel mehr aufs Durchstarten als aufs Schaukelstuhlsitzen. Außerdem gibt es ein paar kniffelige Schulaufgaben, auf die ich mich jetzt voll konzentrieren kann.“

„Fanatismus, Identifikation und die Hingabe zum Job“

Er will an allen Schrauben drehen und auch neue Wege beschreiten. ADC-Mitglied Hans-Peter Albrecht skizziert seine ehrgeizigen Pläne für die Weiterentwicklung der Akademie U5. Der neue Director möchte die Studierenden fördern und stärker in der Öffentlichkeit präsentieren.

Herr Albrecht, mit Anfang des Jahres haben Sie einigermaßen überraschend die Leitung der Münchner Gestalter-Akademie U5 übernommen. Selbst auch überrascht?

Ja und nein. Die U5 begleite ich ja jetzt schon ein Weilchen. Mal mit Tat, oft mit Rat. Und als Max Condula jetzt einen Nachfolger gesucht hat, da hat er mich bei der Ehre gepackt. Und bei meinem Ehrgeiz.

Ist das der Rückzug aufs Altenteil?

Ganz und gar nicht. Eher im Gegenteil. Attacke mit der Jugend. Hier wartet ein Bienenkorb mit 150 jungen Talenten auf mich. Das ist alles Mögliche, aber kein geruhsames Altenteil.

Aber aus dem operativen Agenturbusiness ziehen Sie sich zurück?

Auf gar keinen Fall. Meine Agentur gibt es weiterhin, und auch da bin ich voll im Geschirr.

Sie praktizieren Zellteilung?

Na, schauen Sie, es ist eher so, dass meine diversen Aktivitäten jetzt in geordneteren Bahnen laufen. Neben der Agentur habe ich mich ja schon immer für das ein oder andere engagiert. Für den ADC, den ADCoE, jetzt auch für den CommClub, für den Nachwuchs in diversen Workshops, zuletzt mit dem ziemlich großartigen Creative Express.

Was haben Sie mit der U5 vor?

Na, wenn ich jetzt nicht sage, dass ich die U5 zu ungeahnten Höhen führen will, zur begehrtesten Ausbildungsstätte in Deutschland machen will, mindestens, dann kann ich ja gleich zu Hause bleiben. Aber im Ernst. Die U5 will wachgeküsst werden. In der Akademie steckt ein so großartiges Potenzial. Das würde ich gerne heben. Die StudentInnen, die Dozenten, die Location, die Themen – eine unglaublich spannende Aufgabe.

Die Ansprüche an grafische Ausbildung sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen – da wollen Sie noch eins draufsetzen?

Die U5 ist in den letzten Jahren ein bisschen zwischen Baum und Borke geraten. Am äußeren Rand gibt es so quirlige Konkurrenz wie die Miami Ad School. Die ist zwar grundsätzlich eine ganz andere Veranstaltung, keine Grundausbildung wie die U5, zeigt aber, wie sexy eine Gestalter-Baumschule sein kann. Andererseits gibt es inzwischen eine Unmenge staatlicher Angebote, die mit Bachelor und/oder Master winken. Auch da teilweise auch mit erstklassiger Ausbildung – ich nenn mal die Ludwigsburger Filmakademie. Vor dieser Gemengenlage ist die U5 ein bisschen aus dem Fokus gerutscht. Eine grundsolide Ausbildung, Absolventen, die mit dem U5-Diplom beinahe eine Jobgarantie haben. Aber – nicht wirklich Rock ’n’ Roll. Da geht sogar unter, dass der Design-Grand-Prix in Cannes in den letzten beiden Jahren von U5-Absolventen gewonnen wurde.

An welchen Schrauben wollen Sie drehen?

Inhalte, Dozenten, Studierende. Ich möchte, dass alle Beteiligten brennen. Und wenn sie jetzt schon brennen, dass sie noch mehr brennen. Speziell die Studierenden sollen „Fanatismus, Identifikation und die Hingabe zum Job“ begreifen, sollen leben, dass man den Job, den sie sich da ausgesucht haben, mit Haut und Haaren machen muss, und zwar 24-7.

Sie wollen Workaholics ausbilden?

Quatsch. Ich will niemanden an den Schreibtisch oder Computer ketten. Überhaupt nicht. Gestaltung ist überall. Alles kann einen – soll einen inspirieren. Kunst, Kultur, Natur. Aber man muss empfänglich dafür sein. Diese Faszination würde ich gern anfachen. Die sechs Semester U5 sollen drei wirklich geile, wenn nicht die geilsten Jahre für unsere Absolventen werden. Das kann man fördern, dann muss man auch fordern.

Und was fordern Sie genau?

Na, einen gewissen Fanatismus. Identifikation, Hingabe zum Job, in dem Fall zur Ausbildung. Studenten und Studentinnen sollen stattfinden. In der Akademie. In ihrem Umfeld. In der Öffentlichkeit.

 

Judith Stephan | job@wuv.de