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Das neue Design
europäischer Verkehrsleitsysteme
Eine Studie im Rahmen des Designprojekts
Creative Mobility Communication
Michael Falkensteiner
Varina Langer
Manuel Kotulla
Daniel Wiedemann
Dozent: Richard J. Herler
Unsere Studenten sollen Wirklichkeit studieren - mit dieser
Philosophie bilden wir seit nunmehr 40 Jahren äußerst
erfolgreich junge Kommunikations-Designer aus. Wir legen großen
Wert darauf, daß unsere Studenten eine universelle künstlerisch
wie handwerklich grundsolide Ausbildung erhalten. Dazu gehört
auch, sich für gesamtgesellschaftliche Aufgaben zu engagieren
- für Themen die nicht nur mit Marketing und Werbung
zu tun haben sondern weit darüber hinausgreifen. Zur
Freude am Fahren, wie der Slogan eines bayerischen Automobilherstellers
verspricht - gehört eben mehr als nur ein Auto.
Das Zusammenwachsen regionaler Zentren zu Megacitys, der unvorstellbare
Zuwachs an Verkehrsbewegungen, die Verknappung der Verkehrsräume
fordern eine präzise Steuerung der Verkehrsströme
durch geeignete Kommunikationssysteme.
Wie sieht also die Zukunft dieser Verkehrsleitsysteme in der
immer rascher zusammenwachsenden europäischen Gemeinschaft
aus? Wäre es nicht wichtiger als die Krümmungsradien
von Gurke und Banane festuzulegen, einheitliche Verkehrsleitsysteme
innerhalb Europas zu definieren?
Dieser Frage stellten sich junge Designer, die gerade auf
dem Sprung ins Berufsleben voller Elan und mit der ungebremsten
Kreativität der Jugend eine solche Herausforderung anzunehmen
bereit waren.
An der Akademie U5 beschäftigen sich die Studenten traditionell
mit Zukunftsthemen, ganz im Sinne von Albert Einstein: „Mehr
als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn
in ihr gedenke ich zu leben!“ Unsere Studenten haben
deshalb im Jubiläumsjahr der Akademie U5 eine bemerkenswerte
Kommunikationsdesignleistung erarbeitet: nichts Geringeres
als die radikale Neugestaltung der europäischen Verkehrsleitsysteme.
Die Zukunft hat gerade begonnen!
Die logischen, kommunikativen
und ästhetischen Schwächen des bestehenden Systems
Wenn man die vorhandenen Verkehrsleitsysteme einmal
kritisch analysiert, stellt man schnell fest, daß das
ganze System eine innere Logik vermissen läßt.
Nehmen wir als Gestaltungsgrundlage beispielsweise die Verkehrsampel:
Rot steht für Halt, Stop, das Verbot weiterzufahren.
Farbpsychologisch steht die Farbe für Blut, Verletzung,
Schmerz. Rot versetzt uns in helle Aufregung, die Farbe des
Blutes, der Hölle und des Teufels. Rot kommt in der Natur
selten vor - die Natur ist grün. Zeigt sich bei Lebewesen
die Farbe rot, so ist fast immer Blut im Spiel und signalisiert
damit höchste Lebensgefahr.
Gelb steht für Achtung, aufpassen. Farbpsychologisch
ist Gelb die auffälligste Signalfarbe, sie besitzt hohe
Leuchtkraft, bedeutet auch Wärme, Feuer und Gefahr -
nicht umsonst haben Wespen gelbe Körper. Gift und Neid
werden ebenfalls durch die Farbe gelb angezeigt. In Verbindung
mit schwarz ergibt sich eine hohe Signalwirkung.
Grün steht für freie Fahrt und Gefahrlosigkeit.
Farbpsychologisch steht es für Vegetation, Wachstum und
Leben, Gesundheit, Ausgeglichenheit und Ruhe. Diese Wirkkraft
von Farben wurde uns Menschen in Jahrmillionen genetisch einprogrammiert.
Bei der Verkehrsampel ist alles, auch farbpsychologisch, ganz
logisch und im Einklang mit unserer genetischen Programmierung
gelöst. Bei den Verkehrszeichen jedoch, zeigen sich Widersprüche.
Warum sind die Gebotszeichen blau und nicht grün, warum
sind die Warnzeichen nicht gelb sondern weiß mit rotem
Rand und warum sind die Verbotszeichen ebenfalls weiß
mit rotem Rand, wenn auch in runder Form. Warum sind Autobahnschilder
blau (aber nur bei uns), warum sind Ortsschilder gelb.
Das neue Verkehrsleitsystem
Natürlich sind diese Neuentwürfe erst einmal gewöhnungsbedürftig.
Aber Sie folgen einer strengen und gut durchdachten Farb-
und Formlogik und werden bei den Pictogrammen und der Typographie
einer zeitgemäßen, an der klassischen Proportionslehre
sich orientierenden Ästhetik gerecht. Mit dieser Entwurfsarbeit
wird ferner versucht, nicht im Sinne einer radikalen Abkehr
von bewährten Lösungen, sondern durch eine behutsame,
wenn auch an verschiedenen Punkten neuartige, evolutionäre
Fortentwicklung des Beststehenden zu erreichen.
Die vorfahrtsregelnden Zeichen
  
Die wichtigsten weil sicherheitsrelevanten Verkehrsleitsymbole
sind zweifelsohne die vorfahrtsregenden Zeichen. Deshalb wurde
hier besonderer Wert auf eine einheitliche Formsprache gelegt.
Alle vorfahrtsregelnden Zeichen basieren einheitlich auf der
Quadratform. Auf die Spitze gestellt gewährt oder verhindert
das Schild durch die rote bzw. grüne Pfeiloptik die Vorfahrt.

Das neue Stopschild entspringt ebenfalls der quadratischen
Formsprache und ist damit zweifelsfrei den vorfahrtsregenden
Schildern zugeordnet. Statt der lateinischen Buchstaben STOP
(welches Sprach- und Schriftverständnis voraussetzt)
wird hier das universell verständliche Symbol der warnenden,
erhobenen Hand eingesetzt. Die Spielstraße ist letzten
Endes auch ein Vorfahrtszeichen, wir haben sie deshalb dieser
Gruppe zugeordnet, denn hier haben die „schwächsten“
Verkehrsteilnehmer, nämlich spielende Kinder eine absolute
Vorrangstellung.
Die Warnzeichen
   
Die Warnzeichen haben die bewährte Dreiecksform beibehalten,
wurden jedoch komplett gelb gehalten, was im Gegensatz zur
bisherigen Umrahmung für das in der Binnenfläche
placierte Symbol mehr Platz (und damit eine wesentlich bessere
Erkennbarkeit) schafft. Der Kontrast schwarz-gelb besitzt
zudem den höchsten Signalcharakter.
Die Einbahnstraße
 
Die Regelung von Einbahnstraßen wurde hier aus einer
Formsprache kommend auf eine sehr puristische Art gelöst:
der weiße Querbalken auf rot verhindert die Durchfahrt,
der weiße Längsbalken auf grün erlaubt die
Durchfahrt.
Die Gebotszeichen
 
Die Gebotszeichen haben die runde Form beibehalten, sind aber
insgesamt grün um sofort zu signalisieren: Hier ist geboten
in Pfeilrichtung zu fahren, den Reit- und Fußgängerüberweg
zu benutzen.
Die Verbotszeichen
  
 
Die Verbotszeichen haben ebenfalls die runde Form beibehalten,
denn es handelt sich bei Ge- und Verbot ja um die zwei wesensverwandten
Seiten einer Medaille. Der rote Rand signalisiert ganz zweifelsfrei:
Stop, verboten. Die Bildsymbole stehen schwarz auf weiß
- durch diesen höchstmöglichen Kontrast wird stets
eine optimale Erkennbarkeit - bei diesen sicherheitsrelevanten
Verkehrszeichen - gewährleistet. Das Design der Pictogramme
wurde nach ästhetischen Kriterien jedoch unter Berücksichtigung
höchstmöglicher plakativer Wirksamkeit unter Zuhilfenahme
rechnergestützer Testverfahren vollkommen neu erstellt.
Die Aufhebungszeichen wiederholen das Symbol in grau und werden
zusätzlich durch die Rasterline durchgestrichen.
Der ruhende Verkehr
 
  
Besondere Bedeutung hat heute der „ruhende“ Verkehr.
Um die Städte nicht durch die Zahl der abgestellten Fahrzeuge
kollabieren zu lassen, ist es nötig, unterirdich oder
in Hochbauten Parkraum zu schaffen - auf der Verkehrsebene
jedoch die Park- und Haltemöglichkeiten zu reglementieren.
Die Lösung der Leitsystemdesigner der Akademie U5 stellt
auch diese Zeichen auf eine logische Grundlage: Ein Versal-P
als Generalsymbol für Parken/Halten. Eine rote Linie,
die anzeigt, in welche Richtung das Halteverbot gilt. Ist
die Linie durchbrochen, bedeutet dies, daß zwar kurzzeitiges
Halten, nicht ab er das Parken erlaubt ist.
Die Richtzeichen
 
Die Richtzeichen ver- oder gebieten nicht die Fahrt an sich
- sie schränken aber die Benutzung der jeweiligen Verkehrsfläche
ein. Auf Autobahnen dürfen nur Fahrzeuge, die bestimmte
Mindestgeschwindgkeitskriterien erfüllen, innerhalb geschlossener
Ortschaften sind Geschwindigkeit oder Licht bestimmmten Regeln
unterworfen. Der gelbe Rahmen bei den Ortsschildern warnt,
die blaue Farbe der Autobahnschilder und Schnellstraßen
unterstreicht deren Hinweischarakter. Hier ist ja weder verboten
zu fahren (rot), noch muß der Verkehrsteilnehmer die
Autobahn bezutzen (grün). Somit ist die Farbe blau hier
ein farbpsychologisches Symbol für Freiheit - freie Fahrt,
wie sie auf Autobahnen und Schnellstraßen bei allen
möglichen Beschränkungen grundsätzlich gegenben
ist.
Die Hinweisschilder

Hinweisschilder auf Raststätten, Tankstellen
etc. sollten - um jeder Verwechslung mit sicherheitsrelevanten
Zeichen vorzubeugen - Ovalform erhalten. Die Umrahmung ist
blau, denn hierbei handelt es sich weder um ein Ver- noch
um ein Gebot.

Akademiedirektor
Richard J. Herler
Der Leiter des Studienprojekts Creative Mobility Communication
für die Neugestaltung der Europäischen Verkehrsleitsysteme
ist Akademiedirektor Richard J. Herler. Herler beschäftigt
sich seit vielen Jahren mit dem grafischen Aspekten des Massen-
wie des Individualverkehrs. Neben der wisenschaftlichen Studie:
„Die Möglichkeiten der visuellen Kommunikation
bei Massenverkehrsmitteln, eine Studie am Beispiel München“,
arbeitete Herler jahrelang als Executive Creative Director
der Werbeagentur Publicis in Frankfurt/Main, für den
Automobilhersteller Renault sowie für den größten
Verkehrsverbund Europas, den Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV.
Diese Studie können Sie anfordern, unter Telefon 089-475056/57
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